Vertriebsberatung Schweiz · CRM-Verkaufsprozess
CRM-Verkaufsprozess: vom Datenfriedhof zum Arbeitsinstrument.
Die Führungsfrage lautet: Brauchen wir ein neues CRM, oder nutzen wir das vorhandene falsch? In den meisten Fällen fehlt nicht die Software, sondern ein Verkaufsprozess, den das CRM abbildet und die Führung einfordert.
Direkte Antwort
Was ist ein CRM-Verkaufsprozess?
Ein CRM-Verkaufsprozess legt fest, welche Stufen eine Kundenchance durchläuft, wer in jeder Stufe zuständig ist, welche Angaben zwingend erfasst werden und welcher nächste Schritt fällig ist. Das CRM macht diesen Ablauf sichtbar und messbar.
Wirksam ist er, wenn Verkäufer ihn im Alltag nutzen, weil er ihnen Arbeit abnimmt, und wenn die Führung ihre Besprechungen darauf stützt.
Aufbau
Sechs Bausteine eines wirksamen CRM-Verkaufsprozesses.
| Baustein | Inhalt | Prüffrage für die Führung |
|---|---|---|
| Stufen mit Kriterien | Jede Stufe hat ein überprüfbares Eintritts- und Austrittskriterium, zum Beispiel «Ersttermin durchgeführt» statt «in Bearbeitung». | Würden zwei Verkäufer dieselbe Chance derselben Stufe zuordnen? |
| Zuständigkeit | Jede neue Anfrage hat sofort eine verantwortliche Person, auch ausserhalb der Bürozeiten und bei Abwesenheit. | Wie viele Anfragen der letzten Woche hatten keinen Eigentümer? |
| Reaktionsregel | Eine festgelegte Zeit bis zum ersten Kontakt, gemessen über Zeitstempel. | Wie lange dauert der erste Kontakt heute tatsächlich, im Median? |
| Nächster Schritt | Keine offene Chance ohne datierten nächsten Schritt. | Wie viele offene Angebote haben keinen Folgetermin? |
| Verlustgründe | Verlorene Chancen erhalten einen Grund aus einer kurzen, festen Liste. | Welche drei Gründe kosten uns die meisten Abschlüsse? |
| Führungsansicht | Ein Bericht, der Umwandlung je Stufe, Alter der Chancen und Prognose zeigt. | Welche Entscheidung haben wir letzte Woche aus dem Bericht abgeleitet? |
Aus den Fallstudien
Reaktionszeit ist eine Prozessfrage.
Schnelle Antworten entstehen nicht durch Appelle, sondern durch klare Zuständigkeit, Benachrichtigung und eine Regel, die gemessen wird.
- ERP-SaaS: Laut Mandatsangaben sank die durchschnittliche Reaktionszeit von 27 Stunden auf unter fünf Minuten. Die Teilnahmequote an Erstterminen stieg im selben Vergleich von 60 % auf 83 %.
- Lohnbuchhaltung für Freelancer: Laut Mandatsangaben sank die Reaktionszeit von 36 Stunden auf unter drei Minuten, verbunden mit einem sofortigen Anruf und früheren Terminen.
- In beiden Fällen ist die genaue Messdefinition nicht dokumentiert, und mehrere Massnahmen wirkten gleichzeitig. Die Werte zeigen eine Entwicklung, keinen isolierten Effekt der Reaktionszeit.
Führungsentscheidung
Wann ein neues CRM sinnvoll ist und wann nicht.
- Zuerst den Prozess festlegen
- Stufen, Zuständigkeiten und Regeln lassen sich im bestehenden System meist abbilden. Erst wenn das nachweislich nicht geht, ist ein Wechsel eine Option.
- Ein Wechsel ist ein eigenes Projekt
- Migration, Schnittstellen und Schulung brauchen eine eigene Abgrenzung und ein eigenes Budget. Sie gehören nicht stillschweigend in ein Verkaufsmandat.
- Nutzung ist eine Führungsaufgabe
- Ein CRM wird gepflegt, wenn die Führung ihre Besprechungen daraus führt. Wird daneben mit eigenen Listen gesteuert, veraltet es.
Einführung
Die ersten vier Wochen mit einem geschärften Verkaufsprozess.
Ein neuer Ablauf scheitert selten am Konzept, sondern an den ersten Wochen im Alltag. Die folgende Reihenfolge beginnt deshalb bewusst mit wenigen Regeln.
- Woche 1: Stufen und Kriterien mit dem Team festlegen. Bestehende Chancen einmal gemeinsam den neuen Stufen zuordnen.
- Woche 2: Zuständigkeit und Reaktionsregel für neue Anfragen einführen und ab dem ersten Tag messen.
- Woche 3: Keine offene Chance ohne datierten nächsten Schritt. Die Verkaufsbesprechung prüft genau diese Liste.
- Woche 4: Verlustgründe erfassen und die erste Führungsansicht besprechen. Danach entscheiden, welche Regel nachgeschärft wird.
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