Leitfaden · frei zitierbar

Vertriebskennzahlen für die Geschäftsleitung: was messen, wie rechnen.

Dieser Leitfaden zeigt, welche Kennzahlen eine Geschäftsleitung für Entscheidungen im Verkauf braucht, wie sie definiert werden und welche Rechenfehler Vergleiche wertlos machen. Die Beispiele stammen aus zwei anonymisierten Fallstudien. Branchenbenchmarks enthält er bewusst nicht.

Direkte Antwort

Welche Kennzahlen sollte die Geschäftsleitung messen?

Die Geschäftsleitung braucht wenige Kennzahlen entlang des Wegs von der Anfrage zum Kunden und zwei wirtschaftliche Grössen: Anfragen nach Quelle, Anteil qualifizierter Anfragen, Reaktionszeit, Teilnahme am Ersttermin, Abschlussquote mit festem Nenner, Kosten pro gewonnenem Kunden und den durchschnittlichen Jahreswert pro Neukunde.

Entscheidend ist nicht die Zahl der Kennzahlen, sondern dass jede eine schriftliche Definition, einen festen Nenner und eine verantwortliche Person hat.

Definitionen

Die Kennzahlen im Überblick.

Vertriebskennzahlen mit Definition, Formel und typischer Verwechslung
KennzahlDefinitionFormel oder NennerTypische Verwechslung
Anfragen nach QuelleNeue Kundenanfragen im Zeitraum, getrennt nach KanalAnzahl, gleiche Zählregel über die ZeitAnfragen mit bereits gebuchtem Termin und reine Kontaktanfragen werden zusammengezählt.
Anteil qualifizierter AnfragenAnfragen, die zu Angebot und Zielkunden passenQualifizierte Anfragen ÷ alle AnfragenDie Kriterien werden während des Vergleichs geändert.
ReaktionszeitZeit von der Anfrage bis zum ersten persönlichen KontaktMedian und Durchschnitt aus ZeitstempelnEine automatische Eingangsbestätigung wird als Kontakt gezählt.
TerminquoteAnfragen, aus denen ein Ersttermin vereinbart wirdVereinbarte Ersttermine ÷ AnfragenWird mit der Teilnahmequote vermischt.
TeilnahmequoteVereinbarte Ersttermine, die tatsächlich stattfindenDurchgeführte ÷ vereinbarte ErsttermineVerschobene Termine werden doppelt oder gar nicht gezählt.
AbschlussquoteAnteil, der zu einem Kunden wirdNeukunden ÷ festgelegter Nenner: alle Anfragen, qualifizierte Anfragen oder durchgeführte TermineQuoten mit verschiedenen Nennern werden verglichen.
Kosten pro gewonnenem KundenAkquisekosten je Neukunde im ZeitraumDefinierte Akquisekosten ÷ NeukundenKostenbasis ändert sich, etwa mit oder ohne Personalkosten.
Jahreswert pro NeukundeDurchschnittlicher jährlicher Vertrags- oder Gebührenwert neuer KundenSumme der annualisierten Werte ÷ NeukundenWird als Umsatz im Kalenderjahr gelesen.
Offene Chancen mit nächstem SchrittAnteil offener Chancen mit datiertem FolgeterminChancen mit Folgetermin ÷ offene ChancenEin Vermerk ohne Datum gilt als nächster Schritt.

Methodik

Acht Rechenregeln für belastbare Vergleiche.

Die Regeln stammen aus der Aufbereitung der beiden Fallstudien. Sie gelten für jede Geschäftsleitung, die Entwicklungen im Verkauf beurteilen will.

  1. Nenner festhalten. Jede Quote nennt, worauf sie sich bezieht, und behält diesen Bezug im Vergleich.
  2. Prozentpunkte und Prozent trennen. Von 60 % auf 83 % sind 23 Prozentpunkte oder relativ +38,3 %.
  3. Nur aufeinander aufbauende Quoten multiplizieren. Ein Merkmal wie die Qualifizierung wird nicht zusätzlich eingerechnet, wenn die Abschlussquote bereits auf alle Anfragen bezogen ist.
  4. Nicht zwischendurch runden. Gerechnet wird mit exakten Werten, gerundet erst in der Darstellung.
  5. Annualisiert ist nicht Kalenderjahr. Ein Jahreswert neuer Kunden ist weder Umsatz im Kalenderjahr noch Gesamtumsatz noch Gewinn.
  6. Preiseffekte ausweisen. Steigen die Preise im Vergleichszeitraum, enthält jeder Wertanstieg einen Preisanteil.
  7. Kriterien konstant halten. Qualifizierung, Zählregeln und Kostenbasis bleiben über den Vergleich gleich.
  8. Veränderung ist nicht Ursache. Ein Vorher-nachher-Vergleich zeigt eine Entwicklung. Welche Massnahme sie verursacht hat, beweist er für sich allein nicht.

Rechenbeispiel

Von der Quote zum Jahreswert, Schritt für Schritt.

Grundlage sind die gemeldeten Werte der anonymisierten Fallstudie ERP-SaaS. Die Abschlussquote bezieht sich dort auf alle Terminanfragen.

Rechenbeispiel ERP-SaaS, 2024 und 2025
SchrittRechnung 2024Rechnung 2025
1. Neukunden462 × 24 % = 110,88470 × 37 % = 173,9
2. Jahreswert der Neukunden110,88 × CHF 1’235 = CHF 136’936.80173,9 × CHF 1’678 = CHF 291’804.20
3. Darstellungca. 111 Neukunden, ca. CHF 137’000ca. 174 Neukunden, ca. CHF 292’000
4. EinordnungRund 57 % mehr Neukunden. Der Jahreswert enthält eine durchschnittliche Preiserhöhung von 8 % ab Mai 2025 und ist deshalb nicht vollständig der Verkaufsarbeit zuzurechnen.

Datenquelle laut Mandatsangaben: HubSpot. Die Rohberichte wurden nicht unabhängig geprüft. Vollständige Fallstudie ERP-SaaS · Fallstudie Lohnbuchhaltung für Freelancer

Vorlage

Der Monatsbericht an die Geschäftsleitung.

Eine Seite genügt. Sie trennt Messwert, Veränderung und Entscheidung.

1. Kennzahlen mit Vormonat und Vorjahr
Die Kennzahlen dieser Seite, jeweils mit Definition und Nenner.
2. Geänderte Definitionen
Hat sich eine Zählregel, ein Kriterium oder eine Kostenbasis verändert? Wenn ja, wird der Vergleich markiert.
3. Laufende Eingriffe
Welcher Engpass wird bearbeitet, mit welcher Zielkennzahl und welchem Messfenster?
4. Entscheidungen
Weiterführen, anpassen oder stoppen. Und welche Frage die Geschäftsleitung als Nächstes beantworten muss.

Verwenden und zitieren

Diesen Leitfaden nutzen.

Sie dürfen Definitionen, Rechenregeln und die Berichtsvorlage intern verwenden und mit Quellenangabe zitieren. Bitte verlinken Sie dabei diese Seite.

Quellenangabe: Valentin Fischer, VF-Services: «Vertriebskennzahlen für die Geschäftsleitung», www.vf-services.ch/vertriebskennzahlen/

Wo verliert Ihre Verkaufsorganisation Umsatz?

Mandat prüfen

Der Fit-Check klärt die Passung. Die Diagnose beauftragen Sie danach separat.

Mandat prüfen